Geophysikalisches Observatorium Fürstenfeldbruck

Geophysikalisches Observatorium Fürstenfeldbruck

Wissenschaft im Wandel der Jahrhunderte: Lückenlose Erdüberwachung

Hauptgebäude für die Wissenschaftler am Observatorium Fürstenfeldbruck (1938)

Lückenlose Aufzeichnung seit 1939

Auf der Ludwigshöhe in Fürstenfeldbruck nahe München befindet sich das Geophysikalische Observatorium. Dieses wird vom Lehrstuhl für Geophysik betrieben und haust sowohl ein Erdmagnetisches Observatorium als auch eine Erdbebenwarte. Es ist eines der ältesten der Welt mit einer der längsten Messreihen: Das Observatorium bietet eine seit 1939 lückenlose Aufzeichnung des Erdmagnetfeldes und der seismischen Aktivität der Erde.

Geomagnetismus

Als internationales Referenzobservatorium im INTERMAGNET-Netzwerk überwacht dieser Standort das Erdmagnetfeld nach strengsten globalen Qualitätsstandards. Durch die kontinuierliche Erfassung von Säkularvariationen und magnetischen Stürmen liefert die Einrichtung die notwendigen Daten, um die kurz- und langfristige Dynamik des Erdmagnetfelds lückenlos zu dokumentieren.

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Seismologie

Eingebunden in das nationale und globale Messnetz überwacht die seismologische Abteilung des Munich Earth Observatory (MEO) kontinuierlich die weltweite Seismizität. Über die Stationen Fürstenfeldbruck (FUR) und Wettzell (WET) werden globale Erdbeben sowie lokale Erschütterungen lückenlos registriert, um präzise Daten zur geodynamischen Aktivität und zur Gefährdungsanalyse bereitzustellen.

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Portrait Florian Lhuillier
Florian Lhuillier

Leitung Geomagnetisches Observatorium 

Joachim Wassermann

Leiter Erdbebenwarte

Geschichte des Observatoriums

Auf der Ludwigshöhe in Fürstenfeldbruck nahe München befindet sich das Geophysikalische Observatorium. Dieses wird vom Lehrstuhl für Geophysik betrieben und haust sowohl ein Erdmagnetisches Observatorium als auch eine Erdbebenwarte.

  1. Sternwarte in Bogenhausen und halb-unterirdisches magnetisches Observatorium (vorne links) 1840
  2. Linien der magnetischen Inklination von Lamont (1850)
  3. Erdmagnetisches Observatorium bei der Sternwarte Bogenhausen
  4. Provisorisches Observatorium für Absolutmessungen in einer Holzhütte in Maisach
  5. Geomagnetische Observationen im Gewölbe des Maisacher Sommerkellers
  6. Bau des Observatoriums in Fürstenfeldbruck
  7. Neubau des Observatoriums Fürstenfeldbruck (1961/1962) aus den Berufungsmitteln von Gustav Angenheister (ab 1957)
  8. Blick von oben auf ROMY und Umgebung während der Bauphase

1840

Gründung des Observatoriums: Beginn in Bogenhausen

Auf Initiative der Royal Society und mit königlicher Unterstützung wurde am 1. August 1840 das Erdmagnetische Observatorium auf dem Gelände der Königlichen Sternwarte Bogenhausen in Betrieb genommen. Dies markierte den Start systematischer Messungen des Erdmagnetismus in München.

© Heiner Soffel

1854

Erste Magnetfeldkarte: Lamonts Pionierarbeit

Johann von Lamont erstellte basierend auf seinen umfangreichen Messungen, die er mit einem eigens entwickelten Reisetheodolithen in ganz Bayern und darüber hinaus durchführte, die erste detaillierte Karte des Magnetfeldes Bayerns. Dies war ein Meilenstein in der Erdmagnetfeldforschung.

1896

Neuanfang nach Pause: Wiederaufnahme der Beobachtungen

Nach einer zehnjährigen Unterbrechung wurden die magnetischen Messungen im Frühjahr 1896 wieder aufgenommen. Neue Gebäude wurden auf dem Gelände der Sternwarte errichtet und Franz von Schwarz, ein Schüler Lamonts, wurde mit der Leitung des erneuerten Observatoriums beauftragt.

© Heiner Soffel

1905

Gründung der Erdbebenwarte: Beginn der Seismologie in München

Auf dem Gelände der Königlichen Sternwarte München-Bogenhausen wurde 1905 eine speziell für die seismischen Beobachtungen ausgestattetes Gebäude errichtet und eine seismologische Station in Betrieb genommen. Ein Wiechert-Seismograph zeichnete dort bis 1944 ununterbrochen mikroseismische Registrierungen auf und legte den Grundstein für die Erdbebenforschung in Bayern. Auch das große Beben von San Francisco 1906 konnte aufgezeichnet werden.

1919

Störungen in Bogenhausen: Messungen unbrauchbar

Nach fünfjähriger Schließung übernahm Friedrich Burmeister das Observatorium. Doch die zunehmende Bebauung rund um die Sternwarte und die Umstellung der Tram auf elektrischen Betrieb störten die Messungen so stark, dass die Aufzeichnungen des Erdmagnetfeldes in Bogenhausen unbrauchbar wurden.

1927

Provisorisches Observatorium: Maisacher Hütte

In den darauffolgenden Jahrzehnten brachte die Industrialisierung Münchens zunehmend technische Probleme für den Betrieb des Erdmagnetischen Observatoriums. Unter Friedrich Burmeister (1919 - 1957) wurde das Münchener Observatorium geschlossen. Von 1927 bis 1937 wurde der erdmagnetische Observatoriumsbetrieb in Maisach, einem Dorf 25 km westlich von München, aufrechterhalten.

1931

Messungen im Sommerkeller

Ein angemieteter, tiefer Sommerkeller unter einer Brauerei ermöglichte ab 1931 wieder Variationsmessungen. Hier wurden feste Pfeiler für Variometer installiert, was die Datenqualität der provisorischen Beobachtungen erheblich verbesserte.

© Heiner Soffel

1937

Neuer Standort: Umzug nach Fürstenfeldbruck

Die Messungen in Maisach wurden am 31. Oktober 1937 eingestellt. Der Bau eines großen Militärflugplatzes bei Maisach erzwang einen erneuten Umzug des Observatoriums. Nach jahrelangen Bemühungen wurde 1937 der Neubau des Observatoriums in Fürstenfeldbruck genehmigt. Mit der Fertigstellung 1938 wurde es von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gelöst und dem Lehrstuhl für Astronomie der LMU angegliedert.

© Heiner Soffel

1939

Lückenloser Messbetrieb: Start der ununterbrochenen Aufzeichnungen

Am 1. Januar 1939 wurde der Messbetrieb am neuen Standort in Fürstenfeldbruck wieder aufgenommen. Seit diesem Datum werden die Aufzeichnungen des Erdmagnetfeldes und seiner Variationen lückenlos fortgesetzt, was eine wertvolle Langzeitdatenreihe darstellt.

1943

Kriegsbedingte Einstellung der Erdbebenstation

Die Registrierung von Erdbeben und der gesamte seismologische Dienst in Bayern musste bereits 1943 in Folge der Kriegsereignisse, Zunahme der Luftangriffe und Personalmangel, eingestellt werden.

1962

Geophysikalische Vielfalt: Neubau und Erweiterung um die Erdbebenwarte

Das Observatorium erweiterte sein Spektrum im Jahr 1961: Mit der Inbetriebnahme einer Erdbebenwarte und einer seismologischen Station wurde der reguläre Betrieb der Erdbebenbeobachtungen wieder aufgenommen und das Observatorium zu einer umfassenden geophysikalischen Forschungseinrichtung. Nach kriegsbedingter Einstellung wurde der reguläre Betrieb der Erdbebenwarte 1961 am Standort Fürstenfeldbruck wieder aufgenommen. Das Observatorium beherbergte nun die neue seismische Station FUR und begann mit der systematischen Erfassung von Erdbeben, was den Grundstein für den modernen Erdbebendienst Bayern legte.

2001

Aufbau des Bayern-Netzes: Modernisierung der Erdbebenüberwachung

Ab 2001 wurde das Bayern-Netz aufgebaut, ein umfassendes Netzwerk von Erdbebenstationen. Durch die Installation von 15 neuen und die Umrüstung von 8 alten Stationen wurde die Erdbebenüberwachung in Bayern erheblich verbessert und digitalisiert, was eine präzisere und umfassendere Beobachtung ermöglicht. Mehr erfahren

2017

Modernste Messtechnik: RoMY in Betrieb

Ein weiterer technologischer Meilenstein wurde 2017 erreicht, als der tetrahederförmige Ringlaser RoMY (ROtational Motions in seismologY) in Betrieb genommen wurde. Dieses hochmoderne Instrument ermöglicht präzise Messungen von Rotationsbewegungen und erweitert die Forschungskapazitäten des Observatoriums erheblich.

© Heiner Igel

Das Observatorium heute

  1. Ein Techniker überprüft einen Knotenpunkt von ROMY
  2. The four Blueseis-3A rotational seismometers are part of the mobile seismic instrument pool of the Geophysical Observatory in Fürstenfeldbruck.
© Heiner Igel
© Felix Bernauer

Weiterführende Literatur:

  • Beblo, M. (1991) 150 years Earthmagnetic Observatories Muenchen - Maisach - Fuerstenfeldbruck. In: M. Beblo, H. Soffel (Eds.) Muenchner Geophysikalische Mitteilungen, MGM 5, Universitaet Muenchen, p. 11-18
  • Orff, C. (1882) Johann von Lamont. Akad. Buchdruckerei F. Straub, Muenchen
  • Wienert, K. (1966) 125 Jahre erdmagnetische Beobachtungen in Muenchen, Maisach und Fuerstenfeldbruck. In: G. Angenheister (Ed.) Zum 125jaehrigen Bestehen der Observatorien Muenchen - Maisach - Fuerstenfeldbruck, Geophysikalisches Observatorium Fuerstenfeldbruck, pp. 7-51
  • Förtsch, O.: 60 Jahre Erdbebendienst in Bayern. In: Zum 125jährigen Bestehen der Observatorien München-Maisach-Fürstenfeldbruck, Geophys. Obs. Fürstenfeldbruck, München 1966

Das Team vor Ort

Name Funktion Aufgabengebiet
Balasso, Andrea Techniker für Geomagnetik Technischer Mitarbeiter am Geophysikalischen Observatorium
Bernauer, Felix Wissenschaftler  
Egdorf, Sven Techniker IT-Techniker am Geophysikalischen Observatorium
Lhuillier, Florian Wissenschaftler und Privatdozent Leitung Geomagnetisches Observatorium 
Loos, Jürgen Techniker Techniker am Geophysikalischen Observatorium
Megies, Tobias Wissenschaftler  
Rackerseder, Manuela Technikerin Hausmeisterin am Geophysikalischen Observatorium
Terpoorten, Marcos Techniker Techniker am Geophysikalischen Observatorium
Trudrung, Petra Laborhilfe Interne Aufgaben am Geophysikalischen Observatorium
Wassermann, Joachim Wissenschaftler Leiter Erdbebenwarte